Gebrauchtwagen Handel in der Schweiz im Umbruch

Es fällt auf, dass Schweizer Autohändler fast keine tiefpreisigen Occasion PKWs mehr anbieten. Auch auf grossen Autohöfen sind kaum mehr wirklich billige Autos mehr zu sehen. Was geht hier vor? Denn die grossen Umtauschaktionen der bekannten Marken wie VW, BMW, Toyota, Honda… sind längst abgelaufen. meinautomagazin.de wollte dieser Tatsache auf den Grund gehen und befragte den schweizerischen Autohändler Peter Ganz.

meinautomagazin.de: Herr Ganz, wie gehen die Geschäfte?

Zur Zeit miserabel

Wieso, was ist passiert?

Ich werde im ersten Quartal 2018 den Fahrzeughandel aufgeben und als Automechaniker einen Job suchen. Wie Sie wissen, biete ich leicht ätere PKWs zu günstigen Preisen an. Doch mein Ausstellungs-Parkplatz ist fast leer. Leider werden mir auch keine Autos mehr angedient.

Aber an den Auktionen von eBay, Autoscout24 und Ricardo werden doch solche angeboten  

Natürlich. Aus zwei Gründen: Erstens erhalten die Besitzer mehr, wenn sie ihre Fahrzeuge direkt an Private verkaufen als über uns, den Händlern. Offensichtlich legen immer mehr Käufer keinen Wert mehr auf Aussehen und restliche Lebensdauer des PKWs. Und zweitens geht es vielen Käufern nur noch darum, einen Wagen mit TÜV-Abnahme zu erstehen.

Ich verstehe immer noch nicht. Auf den Strassen sehen wir doch immer mehr neue Fahrzeuge. Wo bleiben diese älteren Modelle denn?

Stellen Sie sich vor, Familie Meier möchte ein neues Fahrzeug kaufen oder leasen. Der PKW, den sie noch fahren hat noch einen Restwert, sagen wir von CHF 8,000. Da die Händler bei Verkäufen von Neuwagen zur Förderung ihres Absatzes Eintauschprämien bis CHF 15.000 für die alten Fahrzeuge bieten, wäre es töricht, die Eintauschprämie nicht im vollen Umfang auszuschöpfen. Aus diesem Grunde wird ein Billigauto erworben und mit Wechselnummer zum bereits gehaltenen Fahrzeug eingelöst. Nun suchen sich die Meiers einen Autohändler welcher die höchste Eintauschprämie für den billig erworbenen PKW bietet und lassen sich diese an den Kaufpreis des neuen Fahrzeuges anrechnen. Der bisher gefahrene PKW der Familie kann somit zum Marktpreis veräussert werden.

Die restlichen verfügbaren Billig-Fahrzeuge, vor allem solche mit Defekten werden durch die Händler direkt an Abnehmer aus Ost- und Südeuropa verkauft. Diese zahlen bar auf die Hand und stellen meist keine Fragen.

Herr Ganz, wir danken Ihnen vielmals für die ehrlichen Antworten und wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft.

Text und Bild: Radovan Milanovic

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