Ablenkung am Steuer – Handys und Co. machen Deutschlands Straßen gefährlicher

Immer mehr Verkehrsunfälle in Deutschland werden durch Ablenkung am Steuer verursacht. Mit elf Prozent der Unfälle mit hohem Sachschaden liegt die Quote sogar höher als für Unfälle, die durch Alkoholkonsum entstanden sind – hier belaufen sich die Zahlen laut der Untersuchung des Allianz Zentrums für Technik (AZT) auf neun Prozent. Der wichtigste Ablenkungsfaktor ist dabei das Handy, aber auch andere technische Geräte wie das Radio, das Navigationsgerät oder der Bordcomputer werden im Auto schnell zu gefährlichen Einflüssen.

Ablenkung beim Fahren – eine unterschätzte Gefahr

Immer wieder melden die Zeitungen die unglaublichsten  Berichte: „Ich bin gleich da, ich muss noch meine SMS fertig schreiben“, sagte eine Frau zum Ulmer Polizeipräsidenten, der mit seinem Wagen auf der Zinglerbrücke an einer roten Ampel gewartet hatte, bevor ihm der VW Polo der jungen Frau ziemlich rasant ins Heck fuhr.

Bei einer polizeilichen Kontrolle in Lüdenscheid, Nordrhein-Westfalen, im Februar 2019 waren außerdem erschreckend viele Verkehrssünder überrascht, dass auch die Nutzung anderer elektronischer Geräte, die der Kommunikation, Information oder Organisation dienen – sprich Tablets, Diktiergeräte und eBooks –, während der Fahrt verboten sind. Dabei ist die dahingehende Gesetzesänderung bereits seit Herbst 2017 in Kraft.

Die Gefahr der Ablenkung am Steuer ist damit ein weit verbreitetes Problem, dass von Autofahrern immens unterschätzt wird. Dabei können nur wenige Sekunden Unaufmerksamkeit bereits zu lebensgefährlichen Situationen führen.

Kurzer Blick aufs Handy – 50 Meter blind durch die Stadt

Jeder Autofahrer sollte sich bewusst machen, welche Strecke sein Pkw in der Zeit zurücklegt, in der er „mal eben schnell“ eine SMS liest. Grundsätzlich kann bei einem aufmerksamen Fahrer von maximal einer Sekunde Reaktionszeit ausgegangen werden, sobald er ein plötzliches Hindernis oder die Bremsung des Vordermannes wahrnimmt. Damit ergibt sich zum einen der Reaktionsweg, den das Fahrzeug (noch) ungebremst zurücklegt, und zum anderen schließlich bei Betätigung der Bremse der Bremsweg.

Für die Ermittlung des Reaktionsweges kann die folgende vereinfachte Formel angewandt werden:

Reaktionsweg in Metern ≈ (Geschwindigkeit ÷ 10) x (Reaktionszeit in Sekunden x 3)

Ein aufmerksamer Fahrer, der mit 50 km/h im Stadtverkehr unterwegs ist und nach einer Sekunde reagieren kann, legt dabei etwa 15 Meter zurück, bevor das Auto gebremst wird. Jemand, der dagegen durch das Smartphone oder andere Gegenstände abgelenkt ist und somit zum Beispiel erst nach drei Sekunden reagieren kann, ist noch weitere 45 Meter quasi im Blindflug völlig ungebremst unterwegs. Selbst mit ausreichendem Sicherheitsabstand ist ein Auffahrunfall hier nicht mehr rechtzeitig zu verhindern.

Bei den hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn sind die Folgen dementsprechend gravierender. Wer bei einem Tempo von 80 km/h und mehr lieber auf sein Telefon als auf die Straße schaut, gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Verkehrsteilnehmer.

Übrigens: Die Handynutzung ist nicht nur beim Autofahren gefährlich. Auch Fußgänger und Radfahrer lassen sich hierdurch gerne ablenken und übersehen dabei häufig eine rote Ampel. Vorsicht ist also von allen Verkehrsteilnehmern gefordert!

Küssen, Rauchen, Reden – Ablenkungen des Alltags

Doch neben der verbotswidrigen Handynutzung am Steuer – die in Deutschland beim Erwischtwerden übrigens ein Bußgeld in Höhe von mindestens 100 Euro sowie einen Punkt in Flensburg nach sich zieht – gibt es viele weitere Einflüsse, die das Autofahren gefährlich machen. Beispielsweise ist die soziale Interaktion als Ablenkungsfaktor ebenfalls nicht zu unterschätzen. In der Befragung des AZT unter 1.600 Autofahrern und -fahrerinnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz gab ein Drittel der Deutschen Streit im Fahrzeug als hohen Ablenkungsfaktor an. Auch schreiende Kinder, Gespräche mit den anderen Pkw-Insassen oder Küsse während der Fahrt können gefährliche Ablenkungen sein.

Mehr als 40 Prozent der Befragten in allen drei Ländern nannten zudem Essen, Trinken und Rauchen als häufige Tätigkeit beim Autofahren. Das ist zwar nicht wie die Handynutzung am Steuer verboten, kann die Reaktion auf unerwartete Situationen aber erheblich einschränken, nicht zuletzt, da der Fahrer dabei nur eine Hand frei hat.

Welche Tätigkeiten Sie außerdem am Steuer vermeiden sollten, um die Gefahr durch Ablenkung weitestgehend zu vermeiden, wie lang der Bremsweg nach dem Reaktionsweg ausfällt und viele weitere interessante Zusatzinformationen finden Sie im kostenfreien Ratgeber zum Thema unter

www.bussgeldkatalog.org/ablenkung-am-steuer.

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